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Vielfältige Innovationen für eine nachhaltige Textilindustrie

Hoher Umsatz aber wenig nachhaltig

Die Textilindustrie ist ein wichtiger globaler Wirtschaftsfaktor, der 2 % des globalen BIP ausmacht. Aber sie ist auch die zweitgrößte umweltverschmutzende Industrie der Welt.

So treffend formulierte es Klaus Berding vom GEMIT Institut der Hochschule Niederrhein beim BIO.NRW.webinar „Innovations for a New Textile Industry“. Er schilderte unter anderem, dass die Textilindustrie für 10 % der globalen Kohlenstoffemissionen verantwortlich sei und für erhebliche Wasserverschmutzung durch den Einsatz toxischer Chemikalien, sowie die Freisetzung von Mikroplastik sorge. Die Fast-Fashion Industrie verwende vor allem toxische Farben und Additive sowie günstige Fasergemische, die sich nicht recyceln ließen. Über 80 % der Kleidungsstücke werden daher verbrannt oder landen auf Mülldeponien, so Berding.

Wir müssen eine neue Textilindustrie erschaffen

Um die negativen Folgen zu vermeiden, muss die Textilindustrie von der linearen Wirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft umgebaut werden. Dies schließt die Produzenten, aber auch die Konsumenten mit ein. Das Bewusstsein der Verbraucher für Nachhaltigkeit ist in den letzten Jahren gestiegen, und so steigt auch die Nachfrage nach nachhaltigen Textilien. Somit ist der Konsument ein nicht unerheblicher Faktor beim Wandel der Industrie. Auch die Politik hat die Notwendigkeit zu handeln erkannt. Im Circular Economy Action Plan kündig die EU Kommission für 2021 eine EU-Strategie für Textilien an: „Ziele der Strategie sind die Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit und der Innovation in der Branche, der Ausbau des EU-Markts für nachhaltige und kreislauffähige Textilien, einschließlich des Markts für die Wiederverwendung von Textilien, der Umgang mit Fast-Fashion und die Förderung neuer Geschäftsmodelle.“

Vielseitige Innovationen treiben den Wandel voran

Um die Textilindustrie zu wandeln, braucht es neue Technologien, die eine Alternative zu bestehenden Prozessen bieten, aber auch Transparenz der Wertschöpfungskette ermöglichen. Beispielsweise stehe das Textilrecycling noch ganz am Anfang, sei aber ein wichtiger Bestandteil einer Circular Textile Economy, erklärte Berding.

Es sei wichtig, schon bei der Entwicklung von Produkten zu berücksichtigen, was mit ihnen nach der Benutzung geschehe, so Matthias Fuchs, CEO von OceanSafe. In seinem Vortrag stellte er dazu das Textile Component Kit seiner Firma vor, welches von Textilherstellern in bestehenden Anlagen verwendet werden kann, um schadstofffreie und bioabbaubare Textilien zu produzieren. Das Kit ist kreislauffähig, da OceanSafe ein Rücknahme-System anbietet. Die Alttextilien werden industriell kompostiert und zu neuen Ausgangsmaterialien verarbeitet.

Das Thema Recycling von Textilien steht auch im Mittelpunkt bei der Firma Eeden. Das Start-up von Reiner Mantsch und Steffen Gerlach aus Mönchengladbach stellte beim Webinar ein chemisches Upcyclingverfahren für cellusosebasierte Textilabfälle vor. Besonders nachhaltig: die während des Prozesses verwendeten Chemikalien und entstandenen Nebenströme werden reprozessiert und wieder in den Prozess zurückgeführt. Die entstehende Pulpe kann als Ausgangsmaterial für neue Textilien eingesetzt werden.

Aber Recycling geht auch biotechnologisch. Jan de Witt vom Forschungszentrum Jülich stellte das Bio-recycling vor. Dieses beinhaltet den mikrobiellen und enzymatischen Abbau von Polymeren und Beschichtungen. Die dabei entstehenden Building Blocks sollen im Rahmen des mikrobiellen Upcyclings wieder für neue Materialien verwendet werden und so den Materialkreislauf schließen.

Nicht nur die Optimierung der Materialkreisläufe ist wichtig für eine nachhaltige Textilindustrie. Die Färbe- und Veredelungsprozesse von Textilien sind ebenfalls sehr umweltbelastend. Sie sind gekennzeichnet durch einen hohen Wasserverbrauch und den Einsatz toxischer Chemikalien und Färbemittel. Auch hier haben Unternehmen und Forschungsinstitute vielfältige Ansätze zur Optimierung dieser Prozesse entwickelt, die in diesem Webinar vorgestellt wurden.

Zunächst sprach Dr. Charlie Gilbert vom Start-up-Unternehmen Colorifix (UK) über die biotechnologische Herstellung von Pigmenten. Er beschrieb, wie Colorifix die synthetische Biologie nutzt, um Mikrobenstämme zu erzeugen, die verschiedene Pigmente produzieren können. Dadurch kann auf den Einsatz von Schwermetallen und organischen Lösungsmitteln verzichtet werden.

Dr. Thomas Hahn vom Fraunhofer Institut IGB stellte die Anwendungen der Polysaccharide Chitin und Chitosan in der Textilverarbeitung vor. Der mögliche Einsatz ist vielfältig: als Schlichtemittel, beim Faserspinnen oder sogar bei der Reinigung von Textilabwässern. Der Rohstoff aus Insekten, Krustentieren oder aus Pilzen kann aus den Nebenströmen der Nahrungs- und Futtermittelindustrie gewonnen werden.

Die Nutzung von Peptiden als Bausteine für Textilbeschichtungen stellte Dr. Felix Jakob vom Leibniz-Institut für Interaktive Materialien vor. Er zeigte in seiner Präsentation, dass Peptide an Textiloberflächen binden und so wasserabweisende und antimikrobielle Eigenschaften vermitteln können. Selbst das Färben von Oberflächen ist möglich. Derzeit werden oft schädliche Verbindungen eingesetzt, um diese Funktionen zu erhalten.

Die Veranstaltung stellte Lösungsansätze für eine nachhaltige Textilwertschöpfung vor

Im Webinar wurde deutlich, dass die Biotechnologie vielfältige Ansätze und Lösungen bietet, um nachhaltige Alternativen in der Textilveredelung zu schaffen, aber auch um Textilien zu recyceln. Diese werden ergänzt durch chemische Verfahren und die Nutzung biobasierter Rohstoffe aus Rest- und Nebenströmen. Das Webinar zeigte den Zuschauer:innen, dass durch innovative Start-ups und die kooperative Projektarbeit verschiedener Forschungseinrichtungen kreative Ansätze und neue Prozesse geschaffen werden, die den Übergang zu einer Circular Textile Economy ermöglichen. Die Zuschauer:innen lobten vor allem die Vielseitigkeit der Veranstaltung. Das Webinar wurde als divers und abwechslungsreich beschrieben. Es habe einen guten Mix spannender Vorträge aus Forschung und Anwendung gegeben.

Wir freuen uns, dass die Präsentationen den Zuhörer:innen gefallen haben und dass erste Kontakte zwischen den Referierenden und den Zuhörer:innen geknüpft wurden, um mögliche Kooperationen weiterzuverfolgen. Daher möchten wir uns bei den großartigen Referierenden und dem interessierten Publikum bedanken.

Wir danken zudem der BIO Clustermanagement NRW GmbH für die Unterstützung bei der Umsetzung des Webinars.