BIO.NRW.red

BIO.NRW.red ist der thematische Schwerpunkt für die „rote“, pharmazeutische Biotechnologie im Netzwerk BIO.NRW.
Nordrhein-Westfalen ist schon seit mehr als einem Jahrhundert ein starker Standort der Biotechnologie und insbesondere auch der pharmazeutischen Industrie. International bekannte Unternehmen wie Bayer, Johnson & Johnson, UCB, Grünenthal, Henkel, Evonik, um nur einige zu nennen, sind ein Beleg für die große Bedeutung von NRW in diesem Umfeld. Darüber hinaus beheimatet das Land aber auch eine Vielzahl von jüngeren und jungen Unternehmen wie Qiagen, Miltenyi Biotec, AiCuris, Cygenia epigenetic diagnostics, oder Priavoid. Diese seien hier exemplarisch für die große Mannigfaltigkeit in NRW genannt. In Zeiten von Corona haben hochinnovative, nordrhein-westfälische Biotech-Unternehmen mit der Produktion zuverlässiger und neuer diagnostischer Verfahren, der Entwicklung potentieller therapeutischer Wirkstoffe und der Bereitstellung wichtiger Bestandteile für die Impfstoffentwicklung auf sich und den Standort aufmerksam gemacht. Nie zuvor lagen die Aufmerksamkeit und die Hoffnungen der Öffentlichkeit und der Medien so stark auf den Unternehmen der medizinischen Biotechnologie.

Deutschlandweit ist die medizinische Biotechnologie ein Schlüsselfaktor für Innovationen in der Pharmaindustrie. Dies gilt besonders für die Entwicklung neuartiger Therapien, Diagnostika und Technologien. [1]
Auch im Jahr 2019 hat sich der Umsatz der Biopharmazeutika (Apotheken- und Klinikmarkt) gegenüber dem Vorjahr um 13% auf 12,7 Milliarden Euro erhöht. Sein Anteil am Umsatz des Gesamtpharmamarkt (44,1 Mrd. Euro) beträgt 28,7% und ist damit im Vergleich zu 2018 um 13% gestiegen (Wachstum Gesamtmarkt 6,9%).
In der EU wurden in 2019 33 Medikamente mit einem neuen Wirkstoff, einem biosimilaren Wirkstoff, oder einer neuen Kombination bekannter Wirkstoffe zugelassen. Allein 15 dieser Neuzulassungen waren Biopharmazeutika. Außerdem ist die Pipeline für neue, innovative biopharmazeutische Wirkstoffkandidaten gut gefüllt. 640 klinische Entwicklungskandidaten (Klinische Phase I bis III) sind bis Ende 2019 dokumentiert. [2]

Ein 10-Jahres-Vergleich für die Jahre 2009 und 2019 (im Juni 2020 im Biotech-Report „Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2020“ veröffentlicht) belegt die wachsende Bedeutung von Biopharmazeutika für die Patienten und den Pharmastandort Deutschland. Die Zahl der zugelassenen, biopharmazeutischen Produkte stieg von 188 im Jahre 2009 auf 319 im Jahr 2019. Die Biopharmazeutika-Pipeline (inklusive Impfstoffe) ist mit 37% (von 468 auf 648) ebenfalls signifikant gewachsen und die Anzahl der Mitarbeiter wuchs um 54% (von 27.500 auf 42.300). Die Umsätze mit Biopharmazeutika haben sich in diesem 10-Jahreszeitraum fast verdreifacht. [2]

Auf Grund dieses enormen Entwicklungs- und Marktpotentials war der Aufbau des thematischen Schwerpunktes BIO.NRW.red logisch und folgerichtig. In 2010 als strategische Initiative von BIO.NRW angestoßen wurden insbesondere Experten der pharmazeutischen Industrie, der biomedizinischen Forschung, des Gesundheitswesens, der Medizin und der pharmazeutischen Biotechnologie für einen disziplinübergreifenden Austausch zusammengebracht. Inzwischen bildet BIO.NRW.red in NRW ein stabiles und dauerhaftes Netzwerk, mit deutlichem Wachstumspotential, aus Experten verschiedenster Querschnittsbereiche:

Medizinische Diagnostik

Im Fokus steht das schnelle und zuverlässige Aufspüren von Krankheiten, von genetischen Defekten und auch von besonderen Anfälligkeiten für bestimmte, medizinische Probleme. Darüber hinaus bietet der Einsatz der sogenannten „Companion Diagnostics“ Unterstützung für eine validierte Behandlungsentscheidung mit neuartigen, sehr spezifischen Pharmazeutika.

Entwicklung von Medikamenten

Biotechnologische Medikamente (Biopharmazeutika) kommen vor allem in den Bereichen zur Anwendung, wo klassische Substanzen und Verfahren keinen oder kaum Erfolg haben, wie z. B. bei immunologisch bedingten Erkrankungen, oder auch bei Tumorerkrankungen.

Regenerationsmedizin

Gewinnung und Vermehrung von verschiedensten körpereigenen Geweben (z. B. Haut, Knorpel, Knochen) zur Transplantation, um zerstörte Gewebe und Organe zu ersetzen.

Gentherapie

Erkrankungen, verursacht durch Fehler in der Erbinformation eines Menschen, werden behandelt, indem die fehlerhafte durch die korrekte Information ersetzt wird. Dies passiert durch Übertragung der alleinigen, korrekten Erbinformation, oder durch intakte Zellen mit der richtigen Information. Gentherapeutische Ansätze haben außerdem enorm an Bedeutung bei der Entwicklung von neuartigen, komplexen Therapeutika bzw. Biopharmazeutika gewonnen. 2012 wurde in der EU und 2017 in den USA das erste Gentherapeutikum zugelassen. Im Mai 2020 hatten 10 ATMPs in der EU eine zentrale Zulassung, daneben befinden sich fünf weitere Gentherapeutika im EU-Zulassungsverfahren.

Quellen:
[1] DIB-Gesundheitswirtschaft-Medizinische Biotechnologie; https://www.vci.de/dib/themen/gesundheitswirtschaft/medizinische-biotechnologie/info.jsp
[2] Biotech-Report “Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2020” von vfa bio und BCG; www.vfa-bio.de