SPRIND startet die Orbital BioWorks Challenge für Durchbrüche bei Biotech-Anwendungen in der Schwerelosigkeit
Teams aus ganz Europa können sich um bis zu 1.650.000 € Förderung bewerben, um Biotech-Anwendungen im Orbit zu entwickeln. Dabei wird den Teams die Last des Weltraumzugangs abgenommen: SPRIND organisiert und finanziert zusätzlich den Zugang zur kommerziellen Raumstation VAST Haven-1.
Die Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND hat ein neues Innovationsprogramm gestartet, das die vielversprechendsten europäischen Teams unterstützt, die an kommerziell tragfähigen Biotech- und Pharma-Anwendungen in der Schwerelosigkeit arbeiten. Ausgewählte Teams der Orbital BioWorks Challenge erhalten bis zu 1.650.000 € nicht-verwässernde Förderung. In Stufe 2 der Challenge organisiert und finanziert SPRIND eine echte Mission zur VAST Haven-1, einer der ersten kommerziellen Raumstationen.
Jahrzehntelang war die Forschung in der Schwerelosigkeit weitgehend staatlichen Raumfahrtagenturen und der Internationalen Raumstation ISS vorbehalten. Der jüngste Wandel hin zu kommerziellen, marktgetriebenen Anwendungen wird bislang fast ausschließlich von US-amerikanischen Akteuren vorangetrieben. Da die ISS 2030 außer Dienst gestellt wird und ihre Nachfolgestationen nahezu vollständig aus den USA stammen, stellt sich immer dringlicher die Frage, ob Europa beim In-Space-Manufacturing noch mitgestalten kann.
„Wenn wir die Schwerkraft aus der Gleichung nehmen, lassen sich in Biotech und Pharma Durchbrüche erzielen, die auf der Erde schlicht unmöglich sind. Bei SPRIND wollen wir einen neuen europäischen Weg in den Orbit eröffnen, um genau das zu beweisen”, sagt Jano Costard, Head of Challenges bei SPRIND.
Die Schwerelosigkeit verändert Strömungsdynamik, Kristallwachstum und biologische Prozesse grundlegend und ermöglicht so eine qualitativ andere Form der Produktion, die sich auf der Erde nicht kontinuierlich oder im industriellen Maßstab nachbilden lässt. Dazu zählen reinere Proteinkristalle, ohne mechanischen Stress gezüchtete Stammzellen und realistischere Krankheitsmodelle für die Wirkstofftestung. Die Challenge definiert drei Schwerpunktbereiche, in denen der Vorteil der Schwerelosigkeit wissenschaftlich gut belegt ist und Europa bereits über starke Plattformen verfügt: zellfreie Peptidherstellung, Stammzelldifferenzierung und Organ-on-a-Chip für die Wirkstofftestung. Darüber hinaus bleibt die Challenge offen für weitere Ansätze mit einem nachweisbaren Vorteil in der Schwerelosigkeit.
In-Space-Manufacturing ist ein schnell wachsender Markt, in dem die ersten wirtschaftlich tragfähigen Anwendungen voraussichtlich die Standards für die gesamte Branche prägen werden. Diese ersten Schritte werden bislang fast ausschließlich in den USA gemacht. SPRINDs Ansatz: vielversprechende Teams fördern und die logistische Hürde des Weltraumzugangs beseitigen, die dieses Feld bisher verschlossen gehalten hat.
Die Challenge wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Hightech Agenda Deutschland finanziert. Bewerben können sich etablierte Unternehmen, Start-ups, Hochschulen und Forschungseinrichtungen ebenso wie interdisziplinäre Konsortien aus ganz Europa.
Bewerbungen sind bis zum 3. Juli 2026 möglich.